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Homeschooling - Resümee einer Mama


Homeschooling war für mich bisher das Bild einer Familie, die weltreisend mit ihrem Segelboot über die Meere schippert, die Eltern sitzen im Boot (keine Ahnung, wie der innen liegende Raum in “Boots-Fachsprache” heißt) und unterrichten ihre Kinder. Toll!! Hatte ich mal in ner Reportage gesehen… So etwas wollte ich auch immer! Freizeit nach Belieben einteilen, Lehrbücher sind vor Ort, mehr braucht man nicht…
Denkste!!

Jetzt, nach vier Wochen, frage ich mich, wie die Eltern zwischen Schule, Bordküche (Kombüse??), Putzen, Drucken (ja, Bücher sind leider nicht immer ausreichend) und womöglich jüngeren Kindern das Boot überhaupt noch steuern konnten. Ich wäre vermutlich in den vier Wochen mehrmals mit Containerschiffen kollidiert (die gerade wahnsinnig wichtige Fidget Spinner oder ähnlichen Plastik-Schnulli nach Europa transportieren) oder auf diverse Sandbänke aufgelaufen…

Auflaufen… Gutes Stichwort! Bei seinen eigenen Kindern kann man auch sehr gut auflaufen, habe ich festgestellt. Nämlich besonders gerne dann, wenn der kleinste quäkt, Ida irgendwas mit Mathe machen muss und Linus garantiert gerade in einer Deutsch-Aufgabe seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen muss, obwohl der beste Freund schon in Sichtweite draußen spielt und die Sonne scheint.

Als dieser ganze Zirkus anfing, dachte ich: “Na gut, kriegste irgendwie hin, haste ja schließlich studiert und den Rest des Tages gehen wir raus, besuchen Oma und Opa, das wird schon!” Aber ich habe die Arbeit im Hintergrund unterschätzt, also die, die man nicht gleich sieht. .. Ordner abrufen, drucken, zwischendurch Druckerpatronen und Papier kaufen, sortieren, Überblick behalten, einen Zettel für sich selbst schreiben, usw.

Und dann das: Spielplätze dürfen nicht mehr besucht werden, die Großeltern erst recht nicht, Freunde auch nicht und immer schön ABSTAND halten! Dabei schrumpft die Welt irgendwie wie ein Luftballon zusammen, aus dem die Luft gelassen wird. Übrig bleibt: die eigene, kleine Familie, ein paar wenige Spaziergänge, ein paar Telefonate, Schule und… tja, nicht so wahnsinnig viel Zerstreuung wie sonst.

Die Zusammenfassung: es ist wahnsinnig anstrengend, ich bin manchmal von der Menge etwas überfordert, sortiere hin und wieder in “wichtig/unwichtig” - also was müssen wir zusammen machen, was nicht, was jetzt und was vielleicht später. Man muss motivieren, obwohl man selbst vielleicht eher grad nur so “halb motiviert” ist. Die Erfahrung zeigt: wie auch als Lehrer funktioniert das eher nicht, es sei denn, man kann gut schauspielern.

Es ist erstaunlich, wie viel ich manchmal reden muss (Gibt es Wortzähler?) und es schlussendlich nix hilft. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, am Ball zu bleiben und nicht nur Nichts zu tun.

Ich weiß jetzt, dass ich den Spruch “Na wenigstens bist du selbst Lehrerin.” zutiefst verabscheue, denn so wie nur eine ausgeglichene, interessierte Lehrerin für eine Klasse wichtig ist, ist auch eine ausgeglichene, liebe und verständnisvolle Mama für ihre Kinder entscheidend (und das ist mitunter seeehr schwer), Lehrer hin oder her.

 

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